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Die Menschen brauchen unsere Hilfe

Aktualisiert: 5. Nov. 2021

Zorneding.HILFT mit 5. Spendentransport in der Eifel unterwegs


Wir haben schon einige Reiseberichte von den vorangegangenen Touren verfasst. Jeder war besonders und jede Reise hatte seine eigenen Geschichten. So auch dieses Mal, doch bei dieser Reise hat es uns besonders erwischt. Wir sind so nah an die Menschen und ihre Geschichten herangekommen, wie niemals zuvor und das in einer Fülle und Intensität, wie wir es niemals erwartet hätten. Doch dazu ausführlich in unserem vermutlich bisher längsten Bericht.


Die Vorbereitungen für die diese fünfte Tour begann mit dem Ende der letzten Tour vor 6 Wochen. Wir kommunizierten in unzähligen Telefonaten, WhatsApp-Mitteilungen und Messengernachrichten sehr intensiv mit den Organisatoren von „Eifel für Eifel“ in Nettersheim und „Schrittchen für Schrittchen“ in Rheder – allen voran mit Ute Hansen und Kirsten Comes. Was wird gebraucht, was können wir auf unsere Bedarfsliste auf unser Homepage anführen und was nicht. Die Liste wurde länger und länger und vervollständigte sich von Tag zu Tag und wurde live gestellt.


In den letzten Wochen folgten die Zornedinger erneut unserem Aufruf und lieferten Waschmaschinen, Kühl- und Gefrierschränke, Haushaltsgeräte und Haushaltsartikel, Werkzeug, Baumaterialien, Fahrräder, Roller, Bobbycars, jede Menge Spielzeug, Kuscheltiere, Elektroheizungen, Weihnachtsdeko, Lebensmittel und vieles mehr in die Sammelstelle in der Gärtnerei Schütz in Pöring. Wir mussten an drei Wochenenden weit über 20 Fahrräder, Laufräder und Kickboards auf Funktionsfähigkeit und Fahrsicherheit überprüfen und ggf. reparieren. Ca. 300 Weihnachtsgeschenke für Senioren und Kinder sichten und verpacken (teilweise wurden die Geschenke auch schon wunderhübsch verpackt angeliefert). Weit über 100 Kuscheltiere wurden sortiert und in Sammelkartons verpackt. Die Bürgerinnen und Bürger aus Zorneding und der nahen Umgebung brachten uns so viele Spenden, dass wir an 3 Wochenenden mit bis zu neun Helferinnen und Helfern die Spenden sortierten und verpackten.


Am vergangenen Freitag konnten wir die Spenden auf 2 Transporter verladen, die uns wieder kostenlos von den Firmen EVIA Verkehrstechnik (Pöring) und Autohaus Niebler (Eglharting) zur Verfügung gestellt wurden. Herzlichen Dank dafür. Freitagmittag kamen nochmals so viele Spenden, dass wir Sorge hatten, sie alle mitzubekommen und orderten beim Autohaus Niebler noch zusätzlich einen Anhänger. Im Laufe des Nachmittags stellten wir aber fest, dass wir es gar nicht bis zum Abend schaffen können, alles zu verpacken und zu verladen und entschieden uns, den Hänger doch in Zorneding zu lassen und nicht mit auf die lange Reise in die Eifel mitzunehmen. Denn mit dem Hänger hätten wir für die Hin- und Rückfahrt jeweils 3 Stunden mehr einrechnen müssen und die Zeit hatten wir nicht, da uns in der Eifel ein strammes Programm und sehr intensive Begegnungen bevorstanden.

Hier gilt unser besonderer Dank, dem unermüdlichem Helferteam mit Andrea, Barbara, Chrissie, Ines, Julia, Korinna, Lilly, Manja, Martina, Ramona, Sabine, Claus, Kai und Steffen.


Samstagfrüh ging es um 7.00 Uhr los. Wir machten uns mit Claus, Steffen und unserer Tochter Lilly auf den Weg. Die Autobahn war zwar frei, aber die Sicht war bis Stuttgart durch dichten Nebel und danach durch anhaltenden Dauerregen recht eingeschränkt, sodass wir mit rund 1 ½ Stunden Verspätung bei unserer ersten Station im Hilfszentrum „Eifel für Eifel“ in Nettersheim ankamen. Wenn wir ehrlich sind, lag die Verspätung aber nicht nur am Nebel, sondern auch an unserer Kauflaune und unserer Vorliebe für Süßes. Denn wir hatten wenige Tage zuvor die Zusage von DeBeukelear erhalten, eine ganze Palette „Prinzenrolle Cremys“ als Spende zu bekommen. Wir mussten diese lediglich im Factory-Outlet in Mülheim-Kärlich abholen. Na-ja und wenn wir schon mal da waren, haben wir selbstverständlich die Gelegenheit genutzt und fleißig für uns eingekauft. So fuhren wir also nicht nur mit 460 Packungen Cremys, sondern auch noch mit vollgepackten Taschen weiter in die Eifel.


Herzlichen Dank DeBeukelear für die großartige Spende.


Der Navi führte uns wieder wie bei der letzten Tour Mitte September kurz hinter dem Nürburgring an der Ahr entlang. Hier konnten wir - wie damals auch - Freiwillige entdecken, die in den Wiesen und Wäldern entlang der oberen Ahr insbesondere Plastikmüll einsammelten. Man kann sich nicht vorstellen, wieviel Zeug sich da trotz der Armada von Freiwilligen noch immer anhäuft und die Umwelt belastet.


Gegen 14.45 Uhr wurden wir von Ute und ihrem Team schon erwartet. Nach einer kurzen, aber sehr herzlichen Begrüßung begannen wir damit, die Spenden schnell abzuladen. Das Team von „Eifel für Eifel“ entlud mit uns Spielzeug, eingepackte Geschenke, eine der großen Kuscheltierkisten, Werkzeug, Elektroheizungen, Kühl- und Gefrierschränke und die Lebensmittelspenden, die uns das Restaurant Limone aus Pöring mitgegeben hatte. Ganz hinten auf dem 2. Sprinter waren Räder, Roller, Bobbycar etc. Als wir gerade abluden, erfuhren wir von einem Vater mit sechs Kindern, der gerade mit seiner Frau, Schwiegermutter und den Kindern zu neunt in einer kleinen Wohnung lebt. Sie haben durch die Flut alles verloren und ihm stand das Erlebte noch immer ins Gesicht geschrieben. Wir wussten sofort, dass für ihn und seine Familie auch 3 ½ Monate nach der Katastrophe noch lange nicht an Normalität zu denken war. Wir fragten ihn, ob er Räder möchte. Die hatte er aber bereits von „Eifel für Eifel“ erhalten und er bat um 3 Roller und ein Bobbycar. Sein Strahlen und seine leuchtenden Augen bei der Übergabe werden wir nicht vergessen. Er bekam auch noch einen großen Karton mit DeBeukelar Keksen von uns sowie Lebensmittel von „Eifel für Eifel“. Und für eine Mutter mit einem kleinen Baby hatten wir einen Spielebogen dabei.


Auf dem Hof war reges Treiben. Es kamen Lebensmittelspenden und Haushaltsgeräte aus Hessen. Familien, die sich etwas zu Essen besorgten und danach noch bei einem Kaffee über ihre Sorgen berichteten.

Toll, was hier auf dem Hof geleistet wird. Ohne das Team um Ute, Monika, Jörg und Ewald ginge es den Betroffenen viel, viel schlechter. Und es zeigt, dass noch immer ein enormer, nicht endender Bedarf herrscht.



Familien, die vieles oder alles verloren haben, drehen jeden Euro dreimal um und sind um jede Lebensmittel-, Hygieneartikel- oder Waschmittelspende sehr dankbar. Wenn überhaupt eine Versicherung besteht, kommen Zahlungen nur sehr zögerlich und die Förderanträge bei Vater Staat sind sehr aufwändig auszufüllen und deren Bearbeitungen dauern an. Mit Zahlungen ist dann doch so schnell nicht zu rechnen, und so wird jeder Euro in die Sanierung der alten Wohnung oder die Renovierung der neuen Wohnung gesteckt.


Ute und Monika luden uns auf Kaffee und selbstgebackenen Kuchen ein. Wir erzählten von Lilli und ihrer Tochter aus Bad Münstereifel, zu denen wir als nächstes fahren wollten. Wir kannten Lilli bisher noch nicht persönlich, wir hatten über eine Helfercommunity auf Facebook von ihr erfahren. Sie hatte dort einen Post gesetzt und um ein Geburtstagsgeschenk für ihre 4-jährige Tochter Emily gebeten. Sie haben alles in der Flutnacht verloren und wünschten sich für die Kleine eine Puppe und ein Puppenhaus. Als wir davon erfuhren, nahmen wir mit Lilli Kontakt auf und posteten den Aufruf über unsere Netzwerke. Es wurde Geld gespendet und so konnten wir für Emily die gewünschte Puppe kaufen. Unsere Helferin Ines bekam von einer Freundin ein riesengroßes und wunderschönes Puppenhaus geschenkt, eben eines, dass sich ein kleines Mädchen in ihren Träumen wünscht. Ines organisierte auch noch kleine Figuren für das Puppenhaus. Weitere schöne Puppenhäuser wurden zuvor in unserer Sammelstelle in Pöring abgegeben und als Spende bei „Eifel für Eifel“ abgegeben.

Vor unserer Reise ins Hochwassergebiet informierten wir Lilli bereits über die Geschenke und fragten, welcher Bedarf noch bestünde. Auf die Schnelle packten wir noch Bettwäsche, Handtücher, Staubsauger, Küchenutensilien usw. und alles kam für Lilli mit auf den Transport.


Als wir von Lilli und ihrer Tochter erzählten, stutze Ute und sagte: „Die kennen wir doch, wir haben für sie und ihre Familie den Umzug in eine neue Wohnung organisiert.“ Wir erfuhren erst jetzt, dass Lilli 5 Kinder hat, wobei eine Tochter nicht bei ihr lebt. Lilli hatte uns nichts davon erzählt, weil es ihr immer noch unangenehm ist, um Hilfe zu bitten. Wir haben dann gemeinsam mit Monika von „Eifel für Eifel“ bei Lilli angerufen und gefragt, was sie noch alles benötige. In einer Schnelligkeit und Hilfsbereitschaft wurden sofort für Lilli und ihre Familie 4 Einkaufswagen voll mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Pampers, Werkzeug, Getränken sowie eine Waschmaschine, die am Vormittag erst auch Hessen angeliefert wurde, und vieles mehr gepackt.

Wir luden alles auf den Sprinter und machten uns auf den Weg zu Lilli in Bad Münstereifel. Wir fuhren am Ortseingang über eine Brücke und überquerten die Erft auf die andere Seite. Es ging ein paar Kurven den Berg rauf und dort angekommen, kam uns sofort ihr Mann Emil aus dem Haus entgegen. Lilli stand mit Emily und der 12-jährigen Melody am Fenster.

Die Begrüßung war sehr herzlich und rasch wurde alles in Haus gebracht. Es kam noch der 9jährige Sohn Ricardo und half beim Ausladen.


Da wir von den anderen Kindern zuvor nichts wussten, hatten wir nur Geburtstagsgeschenke für Emily organisiert. Wir holten noch eilig für die anderen Kinder in Geschenkpapier verpackte Bücher, Lego und Paymobil aus den Spenden vom Sprinter. Als alles abgeladen und ins Haus gebracht war, bekam Emily ihr Puppenhaus überreicht. Sie war völlig aus dem Häuschen, freute sich so sehr, juchzte und applaudierte. Aber seht in den Videos selbst 😊.




Die Familie hat uns erlaubt, das Video und auch alle Bilder hier zu teilen. Sie bekam auch noch die Puppe überreicht, über die sie sich ebenfalls riesig freute.

Lilli und Emil baten uns in Haus und servierten uns Leckereien und Getränke. Wir betraten das Haus, dass nur mit dem nötigsten eingerichtet ist. Ein Tisch, ein paar Stühle, ein Fernseher und eine Couch. Die Küche ist ebenfalls spartanisch ausgestattet. Sie erzählten uns ihre Geschichte. Sie waren in der Flutnacht von dem Wasser überrascht worden. Emil hatte noch Elektrogräte ins obere Stockwerk retten können während Lilli das wichtigste zusammenpackte. Aber es ging alles sehr schnell, nachdem sie mit dem Auto flüchten wollten, blieb es im Wasser stecken. Schnell retteten sie sich zu der Nachbarin, deren Wohnung höher gelegen war. Das Wasser stieg und stieg. Als es irgendwann auf 3 m angestiegen war, flüchtete die Familie mit den 4 Kindern aufs Dach. Die Nachbarin ebenfalls mit ihren 4 Kindern. Dort saßen sie 5 Stunden (!) bei Wind und Regen und erstarrt vor Angst. Emil ist vom Beruf Schausteller und durch die Corona-Pandemie eh schon arg gebeutelt. Er ist es gewohnt, auf den Fahrgeschäften herumzuklettern und konnte durch seine Erfahrung seiner Familie ein gewisses Gefühl von Sicherheit geben, soweit man davon in dieser Situation überhaupt sprechen kann.


Hier die Erzählung von Lilli, die wir auch teilen dürfen.



Wir sind selbst Eltern und möchten uns nicht ausmalen, was in den Köpfen der Familien abgelaufen ist. Als sie nachts um 3 Uhr (nach 5 Stunden) wieder vom Dach stiegen, hielten sie sich weiter im Haus der Nachbarin auf, bis mittags gegen 12 Uhr die Feuerwehr endlich kam und sie aus dem Haus rettete. Sie wurden in eine Schule evakuiert, wo sie für 4 Tage blieben. Dort gab es kein Strom, so dass sie erneut in eine andere Schule untergebracht wurden. Dort schliefen sie in Klassenzimmern. Danach kamen sie in ein Männerwohnheim. Dort waren sie zusammen mit 40 Männern aus Osteuropa, die gegen Lohn für die Aufräumarbeiten nach der Flut gekommen waren. Allerdings fühlten sich Lilli und ihre Töchter unter den vielen Männern sehr unwohl. Zum Glück fanden sie nach 1 ½ Monaten ihre jetzige Bleibe.


Die Organisation „Stark für Kinder“ besorgt der Familie 3 Kinderzimmer sowie ein Schlafzimmer, den bisher schlafen sie noch auf dem Boden auf Matratzen.

Als Lilli und Emil uns alles erzählten, merkten wir, wie mitgenommen sie waren. Sie haben alles verloren, Haus, Auto, Hab und Gut und vor allem alle Erinnerungsstücke. Besonders der Verlust der persönlichen Dinge, die für immer verloren sind, macht ihnen schwer zu schaffen. Lilli, Emil und wir standen des Öfteren den Tränen nah. Immer wieder umarmten Sie uns und dankten uns immer wieder für unsere Hilfe, die ihnen sehr viel bedeutete. Sie erzählten uns, dass „Eifel für Eifel“ ihnen beim Umzug geholfen hatte (keine staatlichen oder offiziellen Organisationen). Sie hatten lediglich von der Bürgerstiftung 800,- Soforthilfe erhalten. (Zorneding.HILFT! konnte von den Spendengeldern bisher 23.800,- dorthin überweisen). Hier wurde uns mal wieder bewusst, dass wir mit dem Team um Zorneding.HILFT! viel bewegen können. Auch Dank der großartigen Spenden aus Zorneding und Umland kann unbürokratisch und direkt geholfen werden.


Die vorletzte Station des ersten Tages unserer Tour war das Spendenlager des Vereins „Schrittchen für Schrittchen“ in Rheder bei Euskirchen. Auch diese Organisation hatten wir im September schon Mal angefahren und mit Kirsten Comes eine sehr erfahrene Unterstützerin kennen gelernt. Kirsten führt den Verein, der sich bereits viele Jahre vor der Flut um traumatisierte Menschen und Tiere kümmerte und nun auch noch um Flutopfer. Das Spendenlager ist in einem ehemaligen Werk für Verbandsstoffe untergebracht, dass ebenfalls in der Katastrophennacht überflutet wurde. Der Verein hatte bereits vor der Flut hier sein Spendenlager, das allerdings durch die Flutwelle ebenfalls komplett zerstört wurde. Kirsten empfing uns gegen 18.30 Uhr sehr herzlich und freute sich besonders über die Heizungen, Spiele, ca. 300 hübsch eingepackte Geschenke für Kinder und Senioren und die süße Spende von DeBeukelear. Noch bevor wir alles abgeladen und in die Hallen an die dafür vorgesehene Lagerstelle bringen konnten, ging plötzlich in den Hallen das Licht aus. Der Stapler hatte die provisorische Stromleitung auf dem Hof durchtrennt und es blieb für den Rest des Abends in den Hallen dunkel.



Die letzte Abladestation des Tages war ein ehemaliger Hof in Wisskirchen für den eine Waschmaschine bestimmt war, die wir aus Zorneding mitgebracht hatten, und Matratzen und Bettzeug, das wir von „Eifel für Eifel“ mitgenommen haben. Der Hof wird von Christiane aus Euskirchen betreut, bei der Claus und Steffen auch wieder übernachten durften, während unsere Tochter Lilly und wir im Haus von Elke in Bad Münstereifel übernachten konnten. Elke hatten wir bei unserer ersten Lieferung auf den Versorgungshof in Mechernich kennen gelernt. Sie bekam von uns damals einen Wäsche- und zwei Bautrockner. Elke war selbst an diesem Wochenende nicht da, sie hatte uns freundlicherweise einen Schlüssel ihres Hauses hinterlegt, das in der völlig zerstörten Innenstadt von Bad Münstereifel direkt in der Altstadt an der Erft liegt.


Ursprünglich wollten wir am Abend mit allen bei Recky in Nettersheim zum Essen gehen. Recky hatte vor der Flut ein Restaurant, das aber wie viele andere Restaurants auch durch die Flut zerstört wurde. Recky ist ein umtriebiger und sehr rühriger Mensch, der schnell erkannte, dass die Menschen nach der Flut und den zehrenden Aufräumarbeiten einen Ort brauchten, um einfach mal raus und unter Menschen zu kommen. Er initiierte und betrieb ein POP-UP-Restaurant in einem Zelt und kochte dort mehrmals in der Woche für ca. 25 - 30 Personen ein Menü und schenkte den Menschen ein paar Stunden der Ablenkung und der Freude. Dort wollten wir Essen gehen. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit Recky. Die Sturmnacht vom 20. Oktober machte aus dem Zeltrestaurant trotz Sicherung eine Wüste der Zerstörung. Recky ist nach Corona, Flut und Sturm am Boden zerstört und mit der Kraft am Ende. Recky, wir wünschen Dir an dieser Stelle viel Kraft, alles Gute und einfach Zuversicht für eine bessere Zukunft.


So mussten wir umdisponieren und gingen in ein Restaurant, das zwar von dem Hochwasser der Erft betroffen war, aber als eines der sehr wenigen Restaurant wieder öffnen konnte.

Im Eingangsbereich des Restaurants hängt ein Schild mit dem Spruch „Et hätt noch immer jot jejange!“ - unten drunter stand „Rheinisches Grundgesetz“. Den Wirt darauf angesprochen und dass wir das unbedingt fotografieren müssen, erwiderte dieser recht grummelig: „Das stimmt aber nicht mehr“. Er erläuterte uns, dass „nix jot is“. Er habe eine halbe Million Schaden und vor der Flut sei es durch Corona schon sehr schwer gewesen an Personal für Küche und Service zu kommen. Und nun seit der Flut gibt es gar kein Personal mehr. Sichtlich gezeichnet von der Katastrophe ist die Resignation deutlich spürbar.


Müde und kaputt trennten sich bei dem Restaurant unsere Wege und Claus und Steffen fuhren mit Christiane nach Euskirchen, wo sie auch übernachteten und wir fuhren mit unserer Tochter nach Bad Münstereifel in Elkes Haus. Wir parkten in der Altstadt unweit des Ortszentrum und gingen in der dunklen, nebligen Nacht zu Elkes Haus. Links und rechts sahen wir noch immer die immense Zerstörung der Häuser, Straßen und Brücken.





Im Erdgeschoss ging noch immer kein Licht, wir mussten mit unseren Handies den Gang und die Treppe zum Obergeschoss ausleuchten. Der Putz an den Wänden und der Estrich auf dem Boden fehlten, es lag Staub in der Luft und es roch nach feuchtem Rohbau. Im Wohnbereich in der oberen Etage standen zwei Elektroheizungen, die wir vor 6 Wochen mitgebracht hatten. Elke bat uns, die Heizungen nur auf Stufe 1 laufen zu lassen, da sonst der Zusammenbruch der Stromversorgung drohe. Die ist leider immer noch nicht stabil. Wir schliefen im 2. Obergeschoss und blickten aus dem Fenster auf die Wertherstraße und versuchten uns vorzustellen, wie es in der Flutnacht gewesen sein musste. Die Bilder und Videos von dem steigenden Wasser, die uns Elke und andere gezeigt hatten, kamen aus der Erinnerung und wurden noch mal gegenwärtig. Eine grauenvolle Vorstellung.





Am nächsten Morgen wichen wir von unserem ursprünglichen Plan, direkt nach Zorneding zurückzufahren ab und trafen uns mit Claus und Steffen um 07.45 Uhr in Altenburg an der Ahr. Ute hatte uns am Vortag empfohlen, uns die Zeit dafür zu nehmen. Wir alle kennen zwar die Bilder aus dem Fernsehen, aber die Zerstörung dort live zu sehen, ist noch mal etwas völlig anderes.


Auf der Fahrt nach Altenburg war es noch dunkel und die Straßen nebelig. Je näher wir dem Ort kamen, der zur Verbandsgemeinde Altenahr gehört und direkt an der Ahrschleife liegt, desto bedrückender fühlten wir uns. Die Seitenstreifen waren gesäumt von Schutt, Müll, Baufahrzeugen, Bauzäunen, Containern und Dixi-Klos. An einer Stelle schwebte die Bahntrasse völlig unterspült in der Luft und endet plötzlich. Die Bahnbrücke über den Fluss ist nicht mehr da. Links und rechts pure Zerstörung, kein Haus ohne Fenster bis in den zweiten Stock.





Die Flutwelle hatte hier eine unglaubliche Höhe von über 8 (Acht!) Metern erreicht. An vielen Häusern war direkt unter der Dachkante der Höchststand noch immer abzulesen. An einigen Häusern sah man, dass gearbeitet wurde. An anderen prangt ein rotes Kreuz an der Wand, das für den Abriss des Hauses steht. Hier wurden die Fassaden nicht einmal mit Hochdruckreinigern gesäubert. Der Schlamm hängt noch in den Fassaden. An einem Bauzaun direkt an der Erft sind mit Klebeband Fotos von Babies und Kleinkindern aufgehängt. Wir vermuten, dass es Fundstücke sind, die Helfer hier angebracht haben. Der Nebel und der modrige Geruch, den wir von unserem ersten Besuch an der Erft schon kannten, drückten gewaltig auf die Stimmung. Kaum ein Wort kam über unsere Lippen, keine Menschenseele auf der Straße, kein morgendliches Vogelgezwitscher. Wir kamen uns vor, wie in einer Geisterstadt. Als wären wir Statisten in einem Drehbuch für einen Film über die Apokalypse. Selbst die „Dachzeltnomaden“, die hier aktiv sind und bei der Haussanierung oder Entkernung vor dem Abriss unterstützen, sind an diesem Sonntag nicht da. Aber es war kein Film, es war die Realität, die uns hier sprachlos machte und emotional extrem in Anspruch nahm. Das beklemmende Gefühl war nahezu unerträglich. Wir machten uns stumm auf den Heimweg und kamen gegen 14.45 Uhr wieder in Zorneding an.



Wir haben noch eine große Bitte an Euch.

Lilli & Emil benötigen noch weitere Dinge für den Alltag.

Hier ist ihre Liste:

  • Rasenmäher

  • Weihnachtsdekoration

  • Sandkasten

  • Rutsche Garten

  • Regale für Abstellraum

  • Gartenmöbel

  • Dampfreiniger

  • Küchenmaschine mit Fleischwolf

  • Weißen Schminktisch für die 12jährige Tochter (die damit eher spielt)

  • Bettwäsche

  • Handtücher

  • Badetücher

  • Spannbetttücher (Standardgröße)

  • Bettdecken

  • Kissen

  • Kopfkissen

  • Je 2 x Badezimmerschränke. Waschtischunterschränke

  • 3 x Badezimmerteppich

  • Duschkorb

  • 2 x Handtaschenhalter

  • Deckenleuchte für alle Zimmern

  • Küche Regale für Abstellkammer

  • 3 x Treppenschutz Tür

  • Treppenstufenteppich

  • Backofen

  • Herd

  • Kühlschrank

  • Abdunsthaube (Umluft)

  • Kinderzimmer Dekos

  • Gardinen

  • Gardinenstangen

  • Rollos für Fenster

  • Flurmöbel

  • Garderobenmöbel

  • 3 Spiegel für Badezimmer

  • 2 Klodeckel

  • Gartenwerkzeug

  • Doppel-Mülleimer

  • Regale für die Küche

  • Handmixer

  • allerhand Zubehör Küche

  • Wohnzimmermöbel

  • Wohnzimmer Sofa & Wohnzimmertisch

  • Wohnzimmer Teppich

  • Wäschekorb

  • Haltbare Lebensmittel

  • Waschpulver Putzmittel

  • Hygieneartikel

  • Pampers Größe 6



Für die Hilfsorganisation „Schrittchen für Schrittchen“, die sich um traumatisierte Menschen kümmert benötigen wir dringend:

  • Grablichter für den Tag der verstorbenen Kinder am 12.12.

  • Neu verpackte (wegen Vorschriften) Bettwäsche für Hospiz und Altenheim2 neue Matratzen 1,40 x 2 m (bitte bei uns melden)

  • 3 Tannenbäume und LED-Lichterketten (bitte bei uns melden)



Sollte jemand davon etwas zur Verfügung stellen, meldet Euch bitte per E-Mail zorneding.hilft@gmail.com oder per Telefon oder WhatsApp unter 0152 - 41 60 005.





Unsere letzte Tour mit Spenden und Geschenken geht Ende November nach Bad Münstereifel.

Wir werden dann unser Hilfsprojekt Zorneding Hilft erst einmal zurückfahren. Es war neben unserem Beruf und Familie doch sehr anstrengende Zeiten, die wir aber um nichts auf der Welt missen möchten. Wir haben so viele tolle Menschen unter all den helfenden Händen kennengelernt, sind dankbar für das, was wir erreicht haben und voller Stolz auf das ganze Team, dass uns immer wieder unterstützt hat. Ohne Euch und ohne die vielen Spender, wäre es nicht möglich gewesen!

Wir machen nach der Tour im November im Kleinen weiter und bleiben weiterhin interessiert, was in den betroffenen Regionen passiert und stehen auch danach mit vielen lieben Menschen vor Ort in Kontakt. Wir werden uns wiedersehen!



Bitte schickt uns auch gerne selbstgemachte Plätzchen. Die werden an Senioren und Kinder verteilt.

Und wer noch etwas für Lilli und Emil an Geld spenden möchte, überweist es uns bitte auf das Paypal Konto zorneding.hilft@gmail.com mit dem Stichwort „Lilli“. Wir werden es Ende November der Familie überreichen/überweisen.



Wir danken Euch für das bisher entgegengebrachte Vertrauen.


Liebe Grüße Meike und Stefan Winsel


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