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Eine Geschichte über HOFFNUNGSLOSIGKEIT, SCHAM, RESIGNATION, STILLE und einem HAPPYEND!



Hier eine sehr emotionale Geschichte über ein Familienschicksal, wie es leider immer noch vorkommt. Und das so etwas 6 Monate nach der Flutkatastrophe immer noch Realität ist, ist leider kein Einzelfall. Die Geschichte veröffentliche Jörg Weitz (Initiator der Hilfsinitiative Eifel für Eifel, mit der wir auch kooperieren) gestern auf der Facebookseite von Eifel für Eifel. Wir teilen hier die Geschichte, weil sie stellvertretend für so viele Schicksale ist.


"Liebe Eifel für Eifel-Mitglieder,


es folgt eine Menge Text mit einer großen Bitte an euch!


Bitte nehmt euch die Zeit, lest diese Zeilen und teilt den Beitrag – denn dies ist ein symbolisches Beispiel dafür, wie die Situation oftmals da draußen ist und wie ein Netzwerk zur Hilfe beitragen kann – und wie wichtig jedes kleine Zahnrad ist!


In unserer Zeit als Hilfsinitiative durften wir schon unfassbar viele Erfolgsgeschichten im Bezug auf Hilfe und Unterstützung feiern. Die Geschichte, die ich euch heute erzählen möchte, ist für mich persönlich eine der emotionalsten!


Durch einen Hinweis aus unserer Gruppe bekamen wir vor einiger Zeit die Geschichte einer Familie aus unserer Region erzählt. Eine kinderreiche Familie mit Haustieren, ein Elternteil in verantwortungsvoller Position im Angestelltenverhältnis und mit Immobilieneigentum. Also eigentlich „ein ganz normales“ Leben – zumindest bis zum 14. Juli 2021.


Dann kam die Flut und veränderte das Leben dieser Familie innerhalb von Sekunden – so wie es viele andere Betroffene auch erleben mussten. Das Haus wurde geflutet und wurde unbewohnbar – viele Habseligkeiten fielen ebenfalls dem Wasser zum Opfer. Auch hier rede ich über einen Vorgang, den viele Menschen in unserer Region erleben mussten.


Nun könnte man davon ausgehen, dass nach sechs Monaten etwas Normalität im Leben der Familie eingekehrt wäre – leider ist aber genau das Gegenteil der Fall!

Anfänglich kam die Großfamilie bei Freunden und Verwandten rund 100 Kilometer entfernt unter, pendelte aber jeden Tag, um die Kinder vor Ort in die Schule bringen zu können.


Ebenfalls wurde vor Ort sofort nach temporären Wohnraum gesucht, um ein wenig Normalität in den Alltag zu bekommen. Für die Familie begann damit eine ziemlich ernüchternde Zeit: Horrende Mietforderungen oder aber eine klare Absage hinsichtlich der Anzahl der Kinder. Nach und nach machte sich Resignation breit und die Familie kam in einer notdürftigen Unterkunft auf engstem Raum unter. Kein fließendes Wasser und eine Gemeinschaftstoilette. Und dort „wohnt“ diese Familie noch heute – bei kalten und eisigen Temperaturen – 2 Schlafplätze für die gesamte Familie!

Relativ früh deutete sich dabei über den Versicherer an, dass dieser (trotz Versicherungsschutz) Probleme bei der Auszahlung machen würde. So wurde bis zum heutigen Tage keine Erstattung ausgezahlt – Geld, welches dringend benötigt würde, um das Haus der Familie wieder bewohnbar zu machen. Als wären all diese Probleme nicht schon Herausforderung genug, verlor der Verdiener der Familie im letzten Quartal 2021 auch noch die Arbeitsstelle.


Zusammenfassung: Ein Eigenheim, welches grundsätzlich saniert werden könnte – dies aber ohne die Zahlungen der Versicherung nicht möglich ist. Wegfall des Einkommens, welches grundsätzlich schon in „normalen Zeiten“ benötigt würde, um die Finanzierung des Eigenheims tragen zu können.


Eine Wohnsituation, die aus meiner Sicht wirklich menschenunwürdig ist.

Nun wurden wir auf diese Situation aufmerksam und nahmen Kontakt mit dieser Familie auf – eine Familie, die übrigens nicht in den Sozialen Medien aktiv ist und somit auch nicht unsere Hilfsinitiative Eifel für Eifel kannte. In den vielen geführten Gesprächen konnten wir teilweise fast nicht fassen, wieviel Leid diese Familie ertragen musste. Auf unsere Frage hin, warum sie nicht weiter nach Hilfe und Unterstützung gefragt hätten, bekamen wir unter Tränen erzählt, dass man einfach den Glauben an die Situation verloren hätte – und das nach sechs Monaten durch die fehlenden Kräfte auch eine gewisse Resignation eingetreten wäre. Wir versprachen der Familie, uns dieser Situation anzunehmen.


Und nun begannen viele Gespräche und viele Telefonate mit und in einem unfassbar großen und hilfsbereiten Eifel für Eifel – Netzwerk! Denn die Familie wusste zwar, dass wir helfen wollten – hatte aber keine Ahnung wie.


Unser Ziel war es diese Familie raus aus der Kälte zu holen und gleichzeitig die Mietzahlung über Spenden absichern zu können. Also begannen wir Mietobjekte und Ferienwohnungen zu suchen, die passend sein könnten. Wir machten uns auf die Suche und erläuterten die bereits eben geschilderte Situation.


An dieser Stelle muss ich einmal loswerden, dass auch wir ähnliche Erfahrungen machen mussten, als es um die Suche eines geeigneten Objektes ging. Entweder gab es ziemlich überzogene Mietpreise (weit außerhalb des normalen Mietspiegels) oder eine ganz klare Ablehnung gegenüber der Anzahl der Kinder.


Und dann war es endlich soweit. Ein Vermieter signalisierte, dass er die Wohnräumlichkeiten temporär zur Verfügung stellen würde. Auch bezüglich der Mietforderung kam uns der Vermieter entgegen und so konnten wir eine Einigung erzielen:

Eine komplett möblierte Wohnung im Wohnort der Familie, die auch sehr kurzfristig bezugsfertig ist. Und dann kam das Telefonat, in dem wir der Familie mitteilen konnten, dass wir einen passenden Wohnraum gefunden hätten. Emotional und ungläubig nahm die Familie diese Information entgegen. So richtig wollte die Freude nicht heraus, denn bei der laufenden Hausfinanzierung und ohne die Zahlungen der Versicherung, wäre eine zusätzliche finanzielle Belastung in Form der Miete nach dem Jobverlust einfach nicht stemmbar. Dies schilderte uns die Familie ganz offen.

Als wir dann noch die frohe Nachricht verkünden durften, dass die Miete inkl. der Nebenkosten nach Rücksprache von Spendengeldern gezahlt würden, endete für mich eines der emotionalsten Telefonate, die ich je geführt habe, sehr tränenreich.

Bereits einen Tag später fand dann das Zusammentreffen zwischen Mieter und der betroffenen Familie statt, an dem wir ebenfalls vor Ort in den Räumlichkeiten teilnehmen durften – wiederum einen Tag später, nämlich am heutigen Tage, fand dann die Schlüsselübergabe statt.


Warum ich euch diese Zeilen schreibe?

Weil dies nur eines von vielen Schicksalen ist, welches da draußen still vor sich hin schlummerte – und wo wahrscheinlich keine Besserung eingetreten wäre, wenn wir nicht einen Hinweis aus dieser Gruppe bekommen hätten.


Nun könnte man sich die Frage stellen, warum die Familie nicht weiter um Hilfe gekämpft hat.

Ehrlicher als die Antwort, dass man keine Kraft mehr hatte und die Hoffnung vollkommen aufgegeben hatte, kann man wohl nicht antworten. Und auch eine gewisse Frustration der eigenen Situation, wenn man sieht, dass an vielen Häusern die Arbeiten voranschreiten – das eigene seit einem halben Jahr unverändert einer Ruine gleicht.

Bitte achtet auf eure Mitmenschen – auch wenn diese nicht laut klagen! Bitte versucht auch einmal hinter die Kulissen zu schauen, wenn sich die Situation in diesen langen Zeitraum noch nicht wirklich verändert hat. Uns wird oftmals entgegengebracht, dass auch ein gewisses Schamgefühl da ist, wenn es darum geht, Hilfeleistung zu erfragen und anzunehmen.


Jeder von uns hätte in diese Situation kommen können – und jeder von uns wäre froh, irgendwann mal wieder in sein altes Leben zurückkehren zu können.

Meldet euch bei uns, denn diese große und starke Gemeinschaft kann so vieles bewegen! Jedes einzelne Zahnrad hat mit dazu geführt, dass wir diese Erfolgsgeschichte hinter den Kulissen und fernab der Aufmerksamkeit schreiben konnte.


Bitte teilt diesen Beitrag fleißig, damit wir möglichst viele Menschen für die Achtsamkeit unserer Mitmenschen sensibilisieren können!

WICHTIG: Ganz bewusst haben wir aus Diskretionsgründen sehr anonymisiert geschrieben. So haben wir bewusst keine genauen Orte genannt oder Angaben über die Größe der Familie gemacht. Das spielt auch keine Rolle – denn dieses Beispiel zeigt, wie schnell es jeden Einzelnen von uns hätte treffen können.


Ebenfalls möchte ich vermeiden, dass unter diesem Beitrag eine Diskussion bezüglich Mietforderungen oder das Ausnutzen von Notsituationen entsteht oder aber eine politische Diskussion aufkommt. Ich habe lediglich unsere Erfahrungswerte erläutert – nicht mehr und nicht weniger. Daher werden Kommentare, die in diese Richtung zielen kommentarlos gelöscht. Denn auch wenn es wie überall schwarze Schafe gibt – wir sind sehr froh, dass wir ein weißes und hilfsbereites Schaf gefunden haben – und auch davon gibt es eine ganze Menge!


An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen Spendern und natürlich auch bei dem besagten Vermieter für das großzügige Entgegenkommen bedanken – ihr seid der WAHNSINN! Und ein ganz großes Dankeschön für die achtsame Person, die uns den Hinweise zu dieser Familie gegeben hat, denn dieser Hinweise hat dies alles erst möglich gemacht!

Euer Jörg"



Spenden an Eifel für Eifel könnt ihr direkt an:

Eifel für Eifel (Kontoinhaber: Jörg Weitz)

Volksbank Rhein-Erft-Köln eG

IBAN: DE79 3706 2365 1008 1510 12

BIC: GENODED1FHH

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