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Tour 6: Freudentränen, unendliche Spendenbereitschaft, große Dankbarkeit und Helfer in Not.


Die Vorbereitungen auf die 6. Tour der Hilfsaktion Zorneding begannen schon mit einigen Unwegbarkeiten und unlösbar scheinenden Aufgaben. Die Tour selbst sollte auch noch so einige Überraschungen für uns parat haben. Alles begann schon vor der vorangegangenen Tour Ende Oktober. Wir hatten im Oktober dazu aufgerufen, Weihnachtspakete für Kinder und Senioren zur Verfügung zu stellen. Zahlreiche E-Mails und Whatsapp-Nachrichten aus dem ganzen Landkreis gingen bei uns ein und kündigten Geschenkpakete an. Der Hort des Kindergartens St. Georg „Naturkinder Pöring“ war gleich Feuer und Flamme und erklärte sich bereit, seine diesjährige Weihnachts-Packerl-Aktion zu Gunsten von Zorneding.Hilft zu machen.

Und was sollen wir sagen: Es kamen weit über 300 Pakete zusammen, die alle nochmals gesichtet und verpackt wurden.


Wir hatten im Vorfeld einige Süßwarenhersteller angeschrieben und um Sachspenden für die Weihnachtspackerl gebeten. Das Feedback war durchweg positiv und wir erhielten von den Firmen Storck und Vivil einige Zusendungen, für die wir uns sehr herzlich bedanken. So wurden die Geschenkpakete mit Leckereien wie Merci, Mamba oder Vivil-Bonbons aufgefüllt und von den Helferinnen und Helfern hübsch verpackt.


Waschmaschinen, Kühlschränke, Tiefkühltruhen, Baumaterialen, Werkzeug, Bettzeug, Handtücher, Fahrräder, Spielzeug, Hygieneartikel, Lebensmittel und vieles mehr wurden in unsere Sammelstelle in die Gärtnerei Schütz nach Pöring gebracht. Die Spendenbereitschaft der Zornedingerinnen und Zornedinger und vieler Bürgerinnen und Bürger aus dem ganzen Landkreis war immer noch groß. Wir entdeckten im Netz das Gesuch einer Spendensammlerin aus Germering, die eine Transportmöglichkeit in das Katastrophengebiet suchte. Wir nahmen Kontakt zu Alina auf, die für den Verein „Schrittchen für Schrittchen“ sammelte, den wir auch seit September mit Sachspenden unterstützen. Schnell war klar, dass wir ihre Spendensammlung auch noch in Germering abholen und in die Eifel mitnehmen. Dann meldete sich noch ein Mitglied der Jungbauernschaft Zorneding und im Nu hatten wir die Zusage über 3 Ster Brennholz, fast 400 kg Kartoffeln und über 100 kg Karotten und Pastinaken.

Mit der Menge an Sachspenden hatten wir nicht gerechnet und standen nun vor dem Problem, das wir in der Gärtnerei Schütz langsam aber sicher ein Platzproblem bekamen. Denn wir müssen alle Spenden sichten, nach Art sortieren und in transportfähige Kartons verpacken. Das benötigt nicht nur Platz, sondern bindet auch bei der Annahme der Spenden Kapazitäten der Mitarbeiter der Gärtnerei. Wir mussten daher frühzeitig einen Annahmestopp aussprechen. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals ganz besonders bei Andrea, ihrem Mann Rudi und ihren Mitarbeiterinnen bedanken. Es war unser großes Glück, dass wir hier in der Gärtnerei zwischen Aufzucht von mehr als 7.000 Frühlingspflanzen und den Vorbereitungen für Allerheiligen und die Adventszeit die Sammelstelle weiterhin nutzen durften. Herzlichen Dank dafür.


Mit der Fülle an Sachspenden war die Transportlogistik unser nächstes Problem, dass wir Dank der Bereitschaft der Zornediner, Eglhartinger und Kirchseeoner Unternehmen schnell lösen konnten. Wie schon bei den vorangegangenen Touren auch, konnten wir uns auf Autohaus Niebler und EVIA Verkehrstechnik verlassen, mit Transportern unterstützt zu werden. Wir benötigten aber noch einen dritten Transporter und erhielten von der Frima Eisbach Catering spontan die Bereitschaft, mit einem Fahrzeug zu unterstützen. Danke dafür an Anton und Irene Niebler, Philipp Graf von Koenigsmarck und Reinhard Probstl.


Nach diversen Wochenend- und teilweise auch Spätschichten unter der Woche, an denen sortiert und verpackt wurde, bedurfte es noch mal einer großen Kraftanstrengung alles transportfähig zu verpacken, die Ladelogistik zu erstellen und die 3 Fahrzeuge zu beladen. Es tummelten sich am letzten Freitag 10 Helferinnen und Helfer in der Gärtnerei und packten was das Zeug hielt. Gegen 18.30 Uhr konnten wir dann mit bis zum Dach voll beladenen Transportern den Hof verlassen. Es passte nicht ein Schuhkarton mehr hinein. Danke möchten wir hier an unsere Helferinnen und Helfer sagen, ohne die wir die vielen, vielen Spenden nicht hätten verarbeiten können.


Drei Tage vor der Abfahrt, mussten wir die Ladeplanung noch einmal komplett umstellen, da uns ursprünglich ein Kamerateam des Fernsehsenders PHOENIX begleiten wollte und wir dann im Ahrtal gestartet wären. Der Dreh musste aber kurzfristig abgesagt werden, da sich im Redaktionsteam ein Krankheitsfall eingestellt hatte.

Um 6.30 Uhr machten wir uns am Samstag auf den Weg Richtung Nordwesten. Die Fahrt war problemlos und ohne Stau in 7 Stunden geschafft und wir erreichten unser erstes Ziel das leicht verschneite Hilfszentrum „Eifel für Eifel“ in Nettersheim. Freudestrahlend wurden wir von Ute, Monika und den vielen Helfern vor Ort begrüßt. Vor dem Abladen stand jedoch für jeden von uns der Corona-Schnelltest an und alle waren zum Glück negativ.

Wir machten uns an das Abladen und wurden dabei von den Helfern unterstützt. Weiße Ware und das in Kartons verpackte Brennholz wurden auf Paletten verladen und mit einem Stapler in die entsprechende Lagerhalle gefahren. Der erste Sprinter war in 15 Minuten leergeräumt. Es war kalt in der Eifel und Zeit für einen heißen Kaffee im leicht beheizten Aufenthaltsraum, zu dem der Zutritt nur mit einem aktuellen negativen Corona-Text möglich war. Kaum war die Meldung über das eingetroffene Brennholz im Netzwerk von „Eifel für Eifel“ verbreitet, kamen schon die ersten Anmeldungen von Betroffenen, dieses noch am selben Tag abzuholen. Das Holz wird dringend benötigt, um Wohnräume von Betroffenen zu heizen oder auch um Räumlichkeiten zu trocknen. Denn es fehlt nach wie vor an Heizungen und Trocknungsgeräten.

Karotten und Pastinaken gehen an temporäre Küchen, die Helfer und Betroffene in der Eifel und im Ahrtal mit warmen Mahlzeiten versorgen. Die Kartoffeln wurden in die Lebensmittelausgabe von „Eifel für Eifel“ gebracht. In vielen Einzelgesprächen mit den Mitgliedern von Eifel für Eifel wurde bestätigt, dass der Bedarf an Sachspenden aber auch psychologischer Betreuung nach wie vor sehr groß ist.


Eifel für Eifel überraschte uns noch mit Tankgutscheinen im Wert von 150,- EUR. Das entlastete unsere Spritgeldkasse sehr, geben wir unsere Spenden doch viel lieber für direkt Hilfe wie z.B. Heizungen aus.


Wir nutzten den nun leeren Sprinter, um Lebensmittel für eine Familie in Bad Münstereifel und ein anderes Hilfszentrum im rund 25 km entfernten Rheder zu transportieren.


Wir hatten uns mit einigen Familien, die wir bereits aus vorangegangenen Spendenfahrten kannten, in Bad Münstereifel verabredet und teilten uns auf. Während ein Teil schon mal zu Lilli und Emil fuhr und mit dem Abladen der vielen Sachspenden begann, machten sich andere auf den Weg in die völlig zerstörte Innenstadt, um sich dort mit Familie Berg sowie mit Elke und ihrem Sohn zu treffen.

Das Seniorenpaar Berg haben wir seit unserem ersten Treffen im September ganz besonders ins Herz geschlossen. Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut und sie berichten uns, dass für sie der Erhalt der Heizung und insbesondere der Waschmaschine, die wir Ihnen im September von den Spendengeldern besorgt hatten, die Wende in der Katastrophe bedeuteten. Von da an hatten sie wieder Zuversicht, dass es jetzt aufwärts geht. Wir übergaben ihnen ein Weihnachtsgeschenk und einen Adventskranz, der wiederum seine eigene Geschichte hat. Wir erhielten vor dieser letzten Tour in unserer Sammelstelle ein Dekostück, ähnlich einem Draht-Obstkorb mit vier Kerzenhaltern. Das war für Andrea von der Gärtnerei Schütz eine Inspiration und sie sagte in ihrer unnachahmlichen Art „Gib mal her“. Zurück bekamen wir einen wunderschön dekorierten Adventskranz, den wir Familie Berg überreichten. Die Bergs zeigten sich sichtlich gerührt, es war der Glanz der Freude in ihren Augen zu erkennen.


Direkt neben den Bergs trafen wir Elke und ihren Sohn Tenzin, um auch von Ihnen zu erfahren, wie es Ihnen geht und um eine Tasche mit Spenden für den 9-jährigen Sohn Ricardo von Lilli und Emil im Empfang zu nehmen. Mit dem Spielzeug, Büchern und einigem mehr von Tenzin wurde es Zeit, zu den anderen und zur 6-köpfigen Familie zu fahren. Dort angekommen (es war zwischenzeitlich schon dunkel und sehr kalt geworden), halfen wir noch, die Lebensmittel von „Eifel für Eifel“ abzuladen und übergaben Ricardo die Tasche mit den Präsenten von Tenzin. „WOW, das ist alles für mich?“, rief Ricardo und verschwand damit im Haus. Einige Zeit später sahen wir ihn glücklich im Wohnzimmer mit den Autos spielen. Lilli und Emil waren sehr dankbar für die großartige Unterstützung aus Zorneding. Wir konnten ihnen neben den Sachspenden auch einen stattlichen Geldbetrag in bar übergeben, den uns eine Spenderin anvertraut hatte. Wir hatten wie schon bei unserem ersten Besuch der Familie, wieder ein ganz besonderes Geschenk dabei. Die 12jährige Melody hatte uns bei unserem letzten Besuch ihren großen Wunsch verraten. Sie träumte von einem Schminktisch. Wir suchten also in den letzten Wochen bei Ebay und Co. nach Schminktischen und wurden fündig. Als wir den Verkäufern erzählten, dass wir den Tisch an eine von der Flut betroffenen Familie spenden wollten, schenkten sie uns den Tisch und wir holten ihn in Harlaching ab.

Melody wurde gerufen, um ihr die Überraschung zu übergeben. Die Reaktion von dem 12jährigen Mädchen, als sie ihren Schminktisch sah, war auch für uns überwältigend. Sie sank mit Freudentränen auf den kalten Boden und hielt die Hände vor ihr Gesicht. Die Tränen liefen bei ihr und – ein Blick zur Seite verriet uns – auch bei ihrer Mutter die Wangen hinunter. Wir hatten es geschafft, ihren großen Wunsch zu erfüllen und ihr ein Stück Normalität zu schenken. Denn das gehört zu den wichtigsten Aufgaben jetzt und in der Zukunft. Die psychischen Langzeitschäden (insbesondere bei den Kindern) sind noch nicht absehbar, werden uns aber die betroffenen Familien und die ganze Gesellschaft noch lange beschäftigen und fordern. Leider hatten wir dieses Mal nicht die Zeit, uns mit der Familie in Ruhe und ausführlich zu unterhalten. Auch Emil und Lilli fanden das sehr schade und gaben uns noch einige süße Backwaren mit auf den Weg.


Wir waren übrigens vom WDR für den Vorabend in die Livesendung „Der Westen hält zusammen“ eingeladen. In der Sendung sollten Helfer und ihre Aktionen – und eben auch wir mit ZornedingHILFT – vorgestellt werden. Aber wir konnten das zeitlich nicht leisten, wir waren ja alle am Freitag mit Packen und Verladen beschäftigt. Da wurde jede Hand gebraucht und wir konnten in der Live-Sendung aus Bad Münstereifel nicht zu Gast sein. Der Sender wollte uns mit der Familie in der Sendung überraschen – wie er uns nach unserer Absage mitteilte. Lilli, Emil und die Kinder wollten uns unbedingt vor großem Fernsehpublikum ihre Dankbarkeit ausdrücken. Wir wissen, wie dankbar sie für unsere Unterstützung sind. Das haben sie uns auch immer wieder in allen Telefonaten deutlich gemacht.


Wir waren nun alle ganz schön durchgefroren und mussten noch weiter nach Rheder zum Spendenlager des Vereins „Schrittchen für Schrittchen“.


Stockfinster war es auf dem Hof in den Kalff-Werken in Rheder. Bei unserem letzten Besuch Ende Oktober hatte der Stapler auf dem Außengelände das Stromkabel erwischt und vier Wochen später war es noch immer nicht repariert. Das zeigt, wie groß der Mangel und zugleich auch Bedarf an Fachkräften ist. Elektriker, Heizungsbauer, Installateure, Trockenbauer, Maurer, Maler u.v.m. werden händeringend gesucht. Wir mussten also improvisieren und beim Abladen mit einem der Transporter den Hof mehr oder weniger beleuchten. Auch in den Lagerhallen kann man eigentlich nur am helllichten Tage zurechtkommen. Die Beleuchtung hier ist nur mit Akkubaulampen möglich und auch die sind Mangelware. Kirsten, die Begründerin des Vereins und Macherin, juchzte wie ein kleines Kind „Juhu, mein Hubis, meine Hubis“, als sie auf dem Transporter zwei Hubwagen entdeckte, die für sie bestimmt waren. Vor einigen Wochen hatte sie in ihrem Status die Suchanzeige dafür aufgegeben und Robert Schreiner von der Zornedinger Firma „Stapler Schreiner“ organisierte zwei der begehrten Hilfsmittel und stellte sie generalüberholt zur Verfügung. Danke lieber Robert, die erleichtern die Arbeit in der Sammelstation enorm und einer der Helfer vor Ort kommentierte nach dem ersten Einsatz: „Endlich gescheite Hubwagen, die können was.“

Neben weißer Ware, Holz und Kartoffeln hatten wir die ganzen Weihnachtsgeschenke für Kinder und Senioren für den Verein dabei. Die Organisation „Schrittchen für Schrittchen“ plant u.a. Advents- und Weihnachtsfeiern, besucht Senioren- und Pflegeheime und geht in Kindertagesstätten - alles für Betroffene. Für letztere ist auch ein Karton mit 40 (vierzig!) von unserer Helferin Julia selbst gebackenen Plätzchentüten bestimmt. Julia hatte die 40 Tüten alle liebevoll und exakt identisch befüllt, so dass es in der Gruppe für die, die Plätzchen bestimmt sind, keinen Streit gibt. (An was man nicht alles denken muss). Liebe Julia, auch dir gilt ein besonderer Dank dafür, denn wir wissen alle, wieviel Zeit, Muße und Geduld du dafür aufgebracht hast.


Wir wärmten uns nach dem Abladen selbstverständlich unter Einhaltung der nötigen Abstände im großen und vor allem geheizten Aufenthaltsraum in den ehemaligen Büroräumen auf und stärkten uns mit leckerem Fingerfood und heißem Kaffee.


Die Uhr zeigt nun schon nach 19.00 Uhr und wir alle wollten nur noch eine heiße Dusche und ein frisches Bier. Claus und Kai fuhren zu ihrer Unterkunft nach Euskirchen zu Christiane. Chrissie und Stephan waren zur Unterkunft bei den Dachzeltnomaden im 30 Minuten entfernten Rupperath angekündigt und ich freute mich auf die Gastfreundschaft von Volker und Agnes in Rheder. Doch es kam etwas anders als geplant. Die Dachzeltnomaden sind eine Organisation, die den Einsatz von freiwilligen Helfern koordiniert und auch Übernachtungsmöglichkeiten anbietet. Uns wurde für Chrissie und Stephan die Übernachtung im Gemeindezentrum zugesagt.

Doch vor Ort stellte sich heraus, dass es sich um ein spartanisches Matratzenlager in einer kalten, scheunenartigen Örtlichkeit handelt, wo man dicht an dicht übernachtet. Auch wenn jeder der Anwesenden sich einem überwachten Vor-Ort-Corona-Test unterwerfen muss, ist das in der aktuellen Pandemie-Situation nicht zumutbar. Chrissie und Stephan riefen bei uns an und schilderten das Problem und sie waren drauf und dran sich jetzt direkt auf die sechststündige Heimfahrt nach Zorneding zu machen. Das konnten wir nach der ganzen Tour nicht zulassen und Volker und Agnes boten sofort eine weitere Übernachtungsmöglichkeit für die beiden bei sich an. Diese war frei geblieben, weil Meike und Lilly dieses Mal krankheitsbedingt nicht mitgefahren waren.


Den Abend ließen wir gemütlich ausklingen. Am nächsten Morgen waren wir kurz nach 9.00 Uhr in Euskirchen mit Claus und Kai verabredet, um gemeinsam zu unserer vorletzten Station in Euskirchen zu fahren. Für eine Familie mit drei Kindern, die zuvor in Odendorf wohnte und dort vom Hochwasser betroffen war, hatten wir ein Bett inkl. Matratze, einen Fernseher und Haushaltswaren gesammelt. Doch leider war niemand da und wir erreichten auch die beiden Fluthelferinnen nicht, die den Kontakt zu der Familie hatten. Was also tun? Wir konnten nicht ewig warten, bis uns jemand aufmacht, da wir schon zum nächsten Übergabetermin bei einer anderen Familie verabredet waren. Wir entschieden uns, die Dinge neben dem Hauseingang zu deponieren und erfuhren ca. 30 Minuten danach, dass die Spenden gefunden wurden.


Nun ging es noch nach Swisttal. Große Teile der Verbandsgemeinde (zu der auch der Ortsteil Odendorf gehört), wurden von der Flutkatastrophe heimgesucht. In diesem Ortsteil wohnt auch eine Familie, zu der Andrea von der Gärtnerei Schütz einen besonderen Bezug hat. Andrea rief Anfang August dazu auf, Lego-Spielzeug für einen autistischen Jungen zu spenden, der sein Lego-Spielzeug in der Flut verloren hatte. Und was das für einen 10jährigen Autisten in dieser Situation bedeutet, kann sich niemand von uns ausmalen. Andreas Aufruf wurde nicht nur in Zorneding gesehen sondern auch in Bad Münstereifel. Spontan meldete sich Elke, die selbst von der Flut massiv getroffen war. Ihr Sohn Tenzin wollte von seinem Legospielzeug etwas für den Jungen abgeben. Andrea fuhr mit den Zornedingen Ldego-Spenden nach Bad Münstereifel, holte bei Elke und Tenzin weitere Legosachen ab und überbrachte alles ihrer Bekannten in Odendorf. Andrea berichtete uns wie schön es war, zu sehen, wie der Junge sich auf das Lego stürzte und für die nächsten Stunden nicht mehr zu sehen war.


Andrea bat uns für die Familie einige Kisten an persönlichen Sachspenden mitzunehmen, für die wir gerne den kleinen Abstecher nach Odendorf gemacht haben.


Bevor es nun endgültig auf den Heimweg ging, wollten wir uns einen Eindruck von der Lage an der Ahr machen und verließen die A61, um ins nur 8 km entfernte Dernau zu fahren und uns dort umzusehen. Schon kurz nach der Autobahnabfahrt überkam uns wieder dieses unbeschreibliche Gefühl zwischen Trauer, Nachdenklichkeit und Hoffnung. Mit jedem Kilometer wurden die Ausmaße dieser größten Katastrophe der Nachkriegszeit deutlicher.

Die Straßen wurden dreckig, erste Absperrungen Richtung Innenstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler waren zu sehen. Wo man nur hinschaute, liegen auch nach 4 ½ Monaten immer noch Berge an Schutt und Hausrat an den Straßenrändern. Plötzlich vor uns eine Ampel, die den Verkehr auf der nur noch einspurigen Straße regelte. Die Hälfte der Straße wurde von der Flut weggerissen, die befahrbare Seite ist von Schlaglöchern gesäumt – das Umfeld sieht immer noch aus, wie in einem Kriegsgebiet. Hier wird noch so viel Hilfe vor Ort benötigt. Der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern. Aber man sieht auch, was schon alles von den meist ehrenamtlichen Helfern geleistet wurde. Ohne die würde es noch viel schlimmer aussehen.

Wir stellten unsere Fahrzeuge in unmittelbarer Nähe der Bahnlinie in Dernau ab. Doch Gleise waren weit und breit nicht zu sehen. Hier und da lagen ein paar Eisenbahnschwellen wohl sortiert auf einem Stapel, das Wartehäuschen war bis auf das Fundament nicht mehr dort, wo es ursprünglich mal war. Einige Bilder, die wir machten, sind absolut surreal und doch gegenwärtig. Sie stehen zugleich für die Zerstörung und Hoffnungslosigkeit aber auch für Glaube, Hoffnung und Zuversicht.

In dem Haus mit der Aufschrift „Gästezimmer“ wohnt aktuell Niemand. Die Container davor dienen als Unterkunft und als Einsatzbüro.


Wir sind froh, hier im Ahrtal und in der Eifel gewesen zu sein, den Menschen mit Sachspenden und mit einfach nur Zuhören ein wenig Unterstützung geben zu können und die Gewissheit zu geben, dass sie in dieser Notlage nicht allein sind und auf die Unterstützung anderer hoffen können. Wir sind sehr dankbar, dass wir Euch Ute, Monika, Ewald, Christiane, Kirsten, Kerstin, & Felix, Lilli & Emil mit ihren Kindern Miguel, Ricardo, Melody & Emily, Volker & Agnes, Herrn und Frau Berg, Katharina, Elke & Gumpo mit Sohn Tenzin und die vielen anderen kennen lernen durften. Es ist sehr schön zu wissen, wo unsere Unterstützung und die vielen Sachspenden der Zornedingerinnen und Zornedinger ankommen und was damit passiert. Wir wünschen Euch allen trotz aller Unwegbarkeiten eine schöne Adventszeit, viel Kraft und Mut für die Zukunft und ein schönes Weihnachtsfest und ein besseres 2022.


Danken möchten wir den vielen Helferinnen & Helfern Alina, Ari, Babette, Barbara, Chrissie, Ines, Judy, Julia, Korinna, Lilly, Maja, Manja, Martina, Momoka, Ramona, Sabine, Stephi, Claus, Christian, Daniel, Kai, Michael, Robert G, Robert S., Rudi, Steffen, Stephan, Toni & Willi und für ihren unermüdlichen Einsatz. Ihr ward immer zur Stelle. Wir danken den Spenderinnen & Spendern, vielen Firmen – hier an besonderer Stelle der Gärtnerei Schütz und deren Mitarbeiterinnen, den Unternehmen EVIA Verkehrstechnik, Autohaus Niebler und Eisbach Catering, Zorneding TV und nicht zuletzt der Gemeinde Zorneding, die sich zur Entsorgung von Müll und defekten Sachspenden bereit erklärt hat. Nur gemeinsam war es möglich, in insgesamt 6 Transporten über 40 Tonnen Sachspenden mit mehr als 200 m3 Volumen in das Katastrophengebiet zu fahren.


!!!! DANKE !!!!!


Wir sehen uns – Meike & Stefan Winsel

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