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Spendenaktion „ZornedingHILFT!“ schon jetzt ein voller Erfolg.

Aktualisiert: Juli 28

Transport mit Sachspenden im geschätzten Wert von 15.000,- EUR für das Katastrophengebiet. Über 10.000,- Geldspenden.



Die Idee entstand am Frühstückstisch, Samstag nach der Katastrophe vom 14. Juli 2021. Wir wollten schnell und unkompliziert helfen und spenden, was dringend benötigt wird. Wir setzten uns gleich ans Telefon und versuchten Hilfsorganisationen und betroffene Kommunen vor Ort zu erreichen. Wir merkten sehr schnell, die Helfer vor Ort waren noch mit Rettungsarbeiten beschäftigt und es war fast unmöglich, jemanden zu sprechen.


Durch den Kontakt zu einem ehemaligen Kunden aus Bad Münstereifel und einem Facebook-Aufruf konnten wir dann doch Ansprechpartner finden, die uns Bedarfslisten schicken konnten. Denn es ging bereits durch die Medien, dass Kleidung genügend gespendet wurden und es für Möbel etc. einfach noch zu früh ist. Eine zielgerichtete Sammelaktion erschien uns immer sinnvoller.


Wir machten einen Pferdehof aus, der kurzfristig auch mit Überschwemmungen zu kämpfen hatte, aber zum Glück nicht so schwer betroffen war, wie der Stadtkern von Bad Münstereifel oder andere umliegenden Gemeinden. Dort hat sich auch eine private Initiative gebildet, die genau den Bedarf der Betroffenen vor Ort abklärt und gezielt fragt, was benötigt wird, dies sammelt und dann verteilt. Zuerst kamen nur wenig Meldungen, was benötigt wird, dann ging es Schlag auf Schlag. Nur 4 Tage nach der Erstellung unserer Homepage kam die detaillierte und umfangreiche Bedarfsliste.


Mit Hilfe von ZornedingTV und unserer Homepage folgten viele Bürger und Unternehmen aus Zorneding und umliegenden Gemeinden unserem Spendenaufruf und brachten innerhalb von nur 4 Tagen ihre Spenden zur zentralen Sammelstelle. Diese wurde uns freundlicherweise durch Andrea Heine, in der Gärtnerei Schütz in Pöring, zur Verfügung gestellt.



Am Freitag, 23.7. und Samstag 24.7. sichtete und sortierte ein 14-köpfiges Team die Spenden und packte sie in Kartons, Kisten und Boxen um und verlud sie in unsere Transporter. Es kamen im Laufe des Samstags (auch noch nach Geschäftsschluss und am Sonntag in der Früh) noch so viele Sachspenden, dass wir die Fahrzeuge kurzerhand nochmals umladen mussten, damit eine optimale Gewichtsverteilung erzielt werden konnte. Vielen Dank an dieser Stelle an die Helferinnen und Helfer: Andrea und ihr Gärtnereiteam, Babette, Barbara und Christian, Claus, Chrissie und Stephan, Kai, Lilly, Michael, Michi, Stephie, Willi und eine unbekannte Helferin.


So machten wir uns am Sonntag mit Claus und Kai, die den 2. Transporter fuhren, gegen 10.45 Uhr vom Sammelpunkt Gärtnerei Schütz in Pöring auf den Weg in das rund 600 km entfernte Bad Münstereifel. An normalen Tagen beträgt die Fahrzeit ca. 6 Stunden. Nun sind noch immer zahlreiche Straßen, Brücken und Autobahnabschnitte gesperrt, sodass wir inkl. Urlauberrückreiseverkehr endlich gegen 19.20 Uhr - nach 8½-stündiger Fahrt - am Ziel eintrafen.





Wir alle kennen die schrecklichen Bilder aus den unzähligen Fernsehberichten und aus dem Internet. Aber was uns dort wirklich erwartet, konnten wir nicht mal ansatzweise erahnen. Je näher wir dem Pferdehof kamen, umso mehr stieg in uns ein beklemmendes Gefühl auf. Vereinzelt waren auf den Straßen Reste von der typischen roten Erde der Vulkaneifel zu sehen. Die Seitengräben an der Straße wurden tiefer und tiefer. An den Leitblanken hing jede Menge Unrat und nahezu jede zweite Seitenstraße war für die Durchfahrt gesperrt. THW und Rote-Kreuz-Kolonnen kamen uns entgegen. Der Pferdehof liegt nahe der stark von der Katastrophe getroffenen Gemeinden Rheder, Arloff, Iversheim, Kreuzweingarten. Kurz vor der Einfahrt zum Hof war der aus massivem Eisen bestehende Zaun durchbrochen. An dieser Stelle hatte das Wasser, das allmöglichen Unrat mit sich riss, den Zaun aus den Angeln gerissen, und wie wir später erfuhren, den Hof einen Meter hoch unter Wasser gesetzt.


Auf dem Hof angekommen, wurden wir von einem großen Helferteam in Empfang genommen. Je näher wir den Frauen und Männern um die Organisatoren Kerstin und Felix kamen, konnten wir in ihren Gesichtern feuchte Augen erkennen. Sie waren gezeichnet von den Ereignissen der letzten 10 Tage. Sofort packten alle mit an und wir erkannten, wie routiniert die Helfer bereits sind. Innerhalb von 20 Minuten waren beide Sprinter abgeladen.


Sie erzählten uns, dass diese Hilfsgüter teilweise über die Felder zu den betroffenen Menschen gebracht werden. Viele sind schwer zu erreichen, wollen Hof und Haus wegen den Aufräumarbeiten oder Plünderungen nicht verlassen und viele ältere Mitmenschen scheuen sich, in die zentralen Verteilerstellen zu kommen und sich dort als Hilfsbedürftige erkennen zu geben. Dieses Helferteam auf dem Hof packt Pakete mit den dringend benötigten Sachspenden und verteilt sie an die vielen Haushalte in der Umgebung.


Was das private Team dort für die Betroffenen Unglaubliches auf die Beine gestellt hat, verdient unser aller höchsten Respekt. Nachdem sie in der Flutnacht ihr Hab und Gut sichern mussten, Pferde versorgten, die bis zu einem Meter im Wasser standen, kümmern sie sich um Bedürftige vor Ort.


Unsere Sachspenden wurden noch bis Mitternacht ausgepackt und sorgfältig auf den vorbereiten Stellplätzen in der Maschinenhalle des Hofes sortiert. Zwischendurch erfuhren wir in Einzelgesprächen, wie fix und fertig sie nach 10 Tagen sind. Ausgebrannt und kraftlos. „Wir funktionieren irgendwie nur noch, aber eigentlich könnte ich mich nur hinsetzen und heulen“, beschrieb uns eine Helferin die Situation. Ein Helfer berichtete, dass er sich keine Nachrichten rund um die Katastrophe anhören kann. Sobald er etwas im Radio hört oder im Fernsehen sieht, muss er das abschalten.

Eigentlich baut Felix, der die technische Koordination übernommen hat, Terrassen und Terrassenüberdachungen, aber sein Geschäft liegt seit 10 Tagen brach. Jetzt ist er mit Traktor und PickUp täglich in den Dörfern unterwegs und hilft. Dabei hat er von mehr als 15 Toten in seiner Umgebung gehört. Das nagt.


Auf dem Hof haben wir auch Elke getroffen. Mit ihrem Mann betrieb sie bis zur Flutkatastrophe ein 90m2 großes Geschäft direkt in der Fußgängerzone von Bad Münstereifel für tipetanische, napalesische und indische handgefertigte Einzelstücke wie Textilien, Schmuck und Taschen. Sie hatte uns über Facebook kontaktiert und um Hilfe gebeten.





Sie erzählte uns, dass sie und ihr Mann fast selbst ihr Leben verloren haben, als sie noch aus dem Laden versucht haben zu retten, was ging. Ihr 9jähriger Sohn saß oben verängstigt auf der Treppe und bat die Mutter immer um Geräusche, damit er wusste, dass noch alles ok war. Das wird ihn sicher auch noch lange beschäftigen. Im letzten Moment haben sie das Aufräumen zum Glück abgebrochen und sich vor der Flut gerettet. Aus den Erzählungen vieler anderer wissen wir, dass das extrem schnell ansteigende Wasser einige Menschen, die ihr Hab und Gut sichern wollten, mitgerissen und nicht mehr freigegeben hat. Es ging alles sehr schnell.


Elke war mit ihrer Familie dann 2 Tage in der Wohnung über dem Geschäft eingeschlossen, bis sie sich bei den Rettungskräften bemerkbar machen konnten. Aus dem Fenster konnten sie auch Plünderer beobachten, die das Chaos für sich nutzen.

Alle vor Ort sind von der spontanen Hilfe vieler Helfer beeindruckt. Bei Elkes Aufräumarbeiten standen auf einmal 4 junge Männer vor ihr, die ihre Hilfe anboten. Sie waren extra aus Ostdeutschland angereist. Dann kamen noch 4 weitere aus einigen 100 km entfernten Orten und halfen. Gemeinsame wurde eine Kette gebildet, um Wasser zu schippen und die zerstörten Gegenstände aus dem Laden zu schaffen. Eine unglaubliche Hilfsbereitschaft, für die Elke sehr dankbar ist.


Elke bekam von uns einen Wäschetrockner und Trocknungsgeräte für ihren Laden. Sie war sehr gerührt von der Hilfe aus Zorneding.


Ein weiterer Helfer hatte uns Kontakt zu Jenny aus dem rund 40 Kilometer entfernten Wesseling vermittelt. Ihr konnten wir eine Waschmaschine übergeben, die uns eine Familie aus Eglharting gespendet hatte. Jenny‘s Geschichte dürfen wir im Originalton wiedergeben: „Wir kommen aus Wesseling - ist im Rhein-Erft-Kreis. Uns ist am 14.7. durch den Starkregen, der komplett ausgebaute Wohnkeller mit Wasser vollgelaufen, wir waren machtlos und konnten nichts dagegen tun. Das Wasser stand fast 2,5 Meter hoch bei uns in der Straße. Im unteren Bereich befanden sich unter anderem unsere Schlafzimmer, Büro, Waschküche ect. Wir haben unser Haus erst vor 2 Jahren gekauft und komplett saniert und ausgebaut. Alles in Eigenleistung und mit viel Mühe. Wir waren erst vor 3 Monaten mit dem unteren Bereich fertig geworden und nun ist alles ein Totalschaden und leider auch auf unbestimmte Zeit nicht mehr bewohnbar. Nun kann ich dank euch, die Wäsche von uns und unseren 2 Kindern wieder waschen. Vielen Dank nochmal dafür!!!“


Nach den sehr emotionalen Begegnungen fuhren wir nach dem Abladen zu unserer Gastfamilie (ehemaliger Kunde von Stefan). Wir wurden sehr herzlich empfangen und fürstlich bewirtet. An unserem Anreisetag selbst funktionierte der Strom das erste Mal seit 10 Tagen. Das Wasser aus der Leitung ist hochgradig verkeimt und darf weiterhin nicht verwendet werden. Überhaupt besteht in manchen Orten, wie auch in dem Ortskern von Bad Münstereifel, Seuchengefahr. Es droht eine weitere Evakuierung.



Uns wurde von vielen schrecklichen Einzelschicksalen berichtet. Die Suchtrupps durchforsteten Felder und Waldränder, auf denen das Wasser alles Mögliche hinterlassen hat, das es aus den Gemeinden mitgerissen hatte - Hausrat, Autos, Baumstämme, Schlamm, Tiere und leider auch Menschen. Überall dort, wo leblose Körper gefunden wurden, steckten die Suchtrupps Fähnchen zur Markierung in den Boden. In der Dunkelheit kamen die Suchtrupps zurück und bargen die Leichen. Es wird angenommen, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer, die öffentlich gemeldeten weit übersteigt. Wir sind zutiefst betroffen und mit unseren Gedanken bei den Angehörigen und Freunden.


Überall laufen Aufräumarbeiten. Der permanente modernde Geruch verrät, dass vieles verunreinigt und verschimmelt ist.

Es gehen nun auch Sachverständige von Haus zu Haus. Wenn sie einen Haken an die Wand zeichnen, ist das Haus sanierungsfähig. Ein Kreuz bedeutet "nicht mehr bewohnbar" und in der Konsequenz den Abriss. Was das für die Menschen, die seit Tagen ihr Hab und Gut aufräumen und retten wollen bedeutet, möchte man sich nicht vorstellen.

Uns wurde auch berichtet, dass die Folgen für die Natur noch nicht abzusehen sind. Die ausgelaufenen Öl- und Benzintanks haben viele Gebiete verseucht.


Wir sind bewusst nicht in den Ortskern nach Bad Münstereifel gefahren, um die Räumungs- und Instandsetzungsmaßnahmen nicht zu behindern und nicht als Sensationstouristen aufzutreten.


Uns war wichtig, erste Hilfe zu leisten. Dies ist uns Dank der vielen Spenden gelungen!


Und unsere Hilfe für Bad Münstereifel wird weiterhin benötigt. Es geht jetzt nach den Aufräumarbeiten erst richtig los. Wir koordinieren weiterhin, wer was benötigt und wie konkret geholfen werden kann. Dazu stehen wir mit unseren Ansprechpartnern vor Ort in Kontakt und veröffentlichen hier auf unserer Homepage den Bedarf.


Darüber hinaus sind (Stand gestern) rund 10.000,- EUR auf dem Spendenkonto Zorneding Hilft eingegangen, das für uns von der der Gemeinde eingerichtet wurde.

Diese großartige Summe werden wir nun zielgerichtet über die „Bürgerstiftung Bad Münstereifel“ einsetzen. Die konkreten Abstimmungsgespräche dazu laufen.


Bitte hört nicht auf, uns zu unterstützen. Unsere Spenden werden gebraucht!

Danke Euch für Eure Unterstützung!


Herzliche Grüße Meike und Stefan Winsel


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